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Hüftgelenksendoprothesen
Es gibt heute weit über 100 verschiedene Hüft- Endoprothesen.

Wie kam es zu dieser Entwicklung ? Elfenbein hat seit jeher die
Menschen fasziniert und so ist es kein Zufall, daß bereits im Jahre 1890 von
einem Herrn Th. Gluck eine Zweikomponenten - Prothese aus Elfenbein und
Nickelstahl mit wenig Erfolg implantiert wurde. Diese Elfenbein-
Hüftkopfprothesen haben sich nicht bewährt, aber es ist ein Kuriosum, daß solche
Elfenbein- Prothesen noch bis 1975 in kleineren Spitälern in Burma bei
Schenkelhals- Frakturen bei älteren Menschen verwendet wurden. 1946 wurde der
Hüftkopf von den Gebrüdern Judet durch Plexiglas
ersetzt. Der rasche Abrieb des Plexiglases führte recht bald zu Lockerungen,
weswegen dieses Material endgültig aufgegeben wurde.
1943 hat Austin Moore aus Atlanta die nach ihm
benannte Kopfprothese mit gefenstertem Schaft eingeführt. Eine Weiterentwicklung
dieser Femurkopf -Prothesen stellen die noch heute verwendeten bipolaren
Prothesen dar, wie zum Beispiel der von uns verwendete Duokopf. Durch das
integrierte Doppelgelenk wird die Lebensdauer zwar verlängert, weil die
Stoßdämpferwirkung durch das interponierte Polyaethylen günstiger ist. Trotzdem
stellen auch diese bipolaren Prothesen - bei denen also nur der Hüftkopf ersetzt
wird- keine endgültige Lösung dar, weil sie langsam durch das Becken hindurch
penetrieren.
Es mußte also eine Prothese entwickelt werden, bei der sowohl der Hüftkopf
als auch die Hüftpfanne ersetzt werden. Die erste brauchbare Hüft-
Totalendoprothese wurde 1951 von G. K. Mc Kee aus Norwidge, zunächst aus
rostfreiem Stahl, später aus Chrom -Kobalt - Legierung implantiert. Die Pfanne
wurde mit Metallstiftchen im Beckenknochen verankert.
1959 wurde durch Sir John Charnley das Urmodell
aller modernen Hüft- Endoprothesen entwickelt. Charnley kombinierte einen
kleinen Metallkopf zunächst mit einer Teflonpfanne. Da sich Teflon als
Gleitpartner aber nicht bewährte, wurde es recht bald durch Polyaethylen
ersetzt. Wegen der sehr guten Ergebnisse hat sich diese Prothese bis heute im
Grunde durchgesetzt.

Es ist übrigens auch Charnley's Verdienst, 1960 das Methylmetacrylat -
also den Knochenzement - in der Endoprothetik eingeführt zu haben, einen
Zweikomponenten- Kunststoffkleber der zwischen künstlichem Hüftgelenk und
Knochen eingebracht wird.
Inzwischen haben sowohl von der ursprünglichen Charnley- Prothese als auch
von der Müller- Prothese unzählige Nachahmungen und Modifikationen den Markt
überschwemmt.
Moderne Prothesen ersetzen den Hüftkopf und
den Oberschenkelhals vollständig, ebenso die Hüftpfanne.
Im Entwicklungsstadium befinden sich Hüftprothesen, bei denen der
Oberschenkelhals erhalten wird und der Hüftkopf zementfrei im Schenkelhals
verankert wird. (Schenkelhals- Prothesen zum Beispiel von der Firma Eska).
Hemi- Endoprothesen, das heißt, ein alleiniger Ersatz des Hüftkopfes wird
nur noch in Ausnahmefällen bei sehr hinfälligen oder alten Patienten verwendet,
da die natürliche Hüftpfanne mit der Zeit in das kleine Becken hineinverlagert
und somit eine Pfannenprotrusion verursacht. Durch den Einsatz der modernen
bipolaren Hüftkopf - Prothesen wird dieser Vorgang zwar verlangsamt, aber nicht
verhindert.
Im Regelfall werden also sowohl die Pfanne als auch der Hüftkopf ersetzt.
Anfängliche Probleme der Verankerung sind seit der Verwendung von
Polymethylmetacrylat, einem Zweikomponenten Kunststoffkleber - auch
Knochenzement genannt - praktisch gelöst. Die Gelenkprothese wird sozusagen in
den Knochen hineingeklebt, einzementiert.
Der Schenkelhals bildet mit einem Stiel eine feste Einheit. Der Hüftkopf
ist bei älteren Prothesentypen mit dem Hals und Stiel in einem Block aus einer
speziellen Stahllegierung ( meist eine Chrom- Kobalt- Legierung, die meines
Wissens entgegen einer weit verbreiterten Meinung kein Nickel enthält). Die
Prothesenstiele sind geschmiedet.

Hüft-Arthrose
Röntgenbild
Endoprothese
Bei modernen Prothesen wird der, jetzt meist 28mm große Kopf, auf einen
Konus aufgesteckt. Dies hat den Vorteil, daß durch unterschiedlich weite
konische Bohrungen des Kopfes dieser unterschiedlich tief auf den
Schenkelhalskonus aufgesteckt werden und damit die Schenkelhalslänge variieren
kann entsprechend den vorgegebenen anatomischen Besonderheiten.
Der Prothesenstiel wird im Oberschenkelschaft mit dem "Knochenzement"
verankert. Der Knochenzement kann ein Antibiotikum ( in der Regel Gentamycin)
enthalten, welches innerhalb von zirka 10 Tagen aus dem Zement heraus an die
lokale Umgebung abgegeben wird und damit einen Schutz vor örtlichen Infektionen
des Prothesenlagers bildet.
Die Hüftpfanne, bestehend aus einem hochpolymerisierten Polyaethylen (UHMWPE=
ultra high molecular weight polyethylene ) wird ebenfalls einzementiert.

Polyäthylenpfannen
Vor- und Nachteile der
Zementierten Prothesen
Der Vorteil der Zementiertechnik ist eine
sofortige, feste Verankerung der Prothese im Knochen. Die frisch operierten
Patienten können daher sofort unter voller Belastung mobilisiert werden, was
gerade für ältere Menschen ein großer Vorteil ist.
Solche Prothesen können Standzeiten bis zu 25 Jahren
und länger haben. Im Durchschnitt halten sie 15 bis 20 Jahre.
Der Knochenzement wird nicht biologisch in den Knochen integriert, sondern
altert, verliert seine Elastizität und kann sich lockern.
Ursache einer Lockerung ist aber oft auch der Abrieb des Polyaethylens aus
der künstlichen Hüftpfanne.Der Knochenzement ermöglicht also eine optimale,
primäre Stabilität des Prothesenschaftes.
Ein großer Nachteil der zementierten Hüftprothese
ist die Mühseligkeit bei der Entfernung der Zementreste im Falle einer
Hüftwechsel- Operation. Außerdem besitzen bestimmte Bakterien wie zum Beispiel
Staphylokokken eine gewisse Affinität zu Kunststoffen, daß heißt, ein einmal
aufgetretener Protheseninfekt heilt nur ganz selten aus.
Zementfreie Prothesen

Hüftschaft mit Keramikkopf
Man hat daher Prothesen entwickelt, die ohne Zement
im Knochen verankert werden. Sie bestehen nicht aus Stahl, sondern aus reinem
Titan. Dieses Metall hat beim direkten Kontakt zum
Knochen bessere Elastizitätseigenschaften. Die Metalloberfläche zum Knochen hin
wird an den Stellen, an denen der Knochen fest an die Hüftprothese anwachsen
soll, vergrößert.
Dies geschieht entweder durch Ätzung der Titanoberfläche oder durch
Sandstrahlbehandlung, um die Oberfläche aufzurauhen.
Bei anderen Typen werden Kügelchen oder kleine Tetrapoden auf die Prothese
außen aufgesintert.
Eine 3. Möglichkeit der Oberflächenvergrößerung besteht in der
Beschichtung der Titan- Prothese mit Hydroxylapathit, der anorganischen
Grundsubstanz des Knochens.
Der Prothesenstiel wird exakt in den Knochen eingepaßt. Es muß ein
sogenanntes Pressfit erreicht werden.
Bei der unzementierten Prothese bemühen wir uns um eine möglichst
proximale, also möglichst hohe Krafteinleitung, in den Oberschenkelknochen.
Dennoch ist aber die sofortige Stabilität im Vergleich zur zementierten
Oberschenkelkomponente geringer.

Metall - Metallpaarung
Dies zeigt sich bei den Patienten mit einer zementfreien Endoprothese
klinisch manchmal mit dumpfen Oberschenkelschmerzen, die über mehrere Monate
andauern können. Neben diesem Schmerzphänomen werden auch eine verminderte
Standsicherheit , Probleme beim Aufstehen vom Sitzen und ein Hinken beobachtet.
Bei Patienten, denen beidseits eine Hüft- Totalendoprothese und zwar auf
der einen Seite eine zementierte und auf der anderen eine unzementierte
Schaftkomponente eingesetzt wurde, kam diese Problematik deutlich zum Ausdruck.
Zementfreie Pfanne
Die zementfreien Pfannenkomponenten werden bei uns ebenfalls Pressfit
verankert - dazu müssen sie eine sphärische, also kugelige, Außenform besitzen -
und können zusätzlich mit Schrauben im Pfannendachbereich fixiert werden. Die
Verschraubung im Pfannendach ist nicht in jedem Falle notwendig, sondern erhöht
nur die Primärstabilität bis zur biologischen Einheilung.

Bei den zementfreien Hüftpfannen finden sich
aber ganz unterschiedliche Verankerungssysteme: Schraubringe oder
Schraubpfannen, die mit ihrem Gewinde in den Beckenknochen eingedreht werden ;
Pfannenschalen, die im Pfannendach verschraubt werden; Expansionspfannen, die
ins Becken eingespannt werden, reine Pressfit- Komponenten, die in der
Pfannenzirkumferenz verklemmen und kombinierte Systeme, die beispielsweise
geschraubt und verschraubt werden. Die dem Körper zugewandten Pfannenanteile
sind in der Regel aus Titan gefertigt.
Wir selbst bevorzugen Pressfit- Pfannen , nicht nur weil sie leichter zu
implantieren sind, sondern auch weil sie biomechanisch sich dem natürlichen
Pfannenlager besser anpassen und nicht so leicht auswandern können, wie dies
manche Schraubpfanne zu tun scheint.
Das Metall wird aktiv biologisch in den Knochen eingebaut. Das heißt, der
Knochen wächst auf die Oberfläche der Prothese zu und hält sie somit fest.
OP - Technik
Festlegen der Schenkelhalsresektionslinie
Aufraspeln des Oberschenkelknochens
Aufsetzen des Probekopfes auf die Probeprothese
Der Prothesenschaft ist eingeschlagen. Der Knochen wird verdichtet.
Der Hüftkopf wird aufgesteckt.

Das Pfannenlager wird im Beckenknochen gefräst und
vorbreitet.

In den Metallsockel kommt entweder ein Kunststoff- oder
Metall- oder Keramikinlay.
Die Bilder wurden z.T. freundlicherweise von der Firma
zur
Verfügung gestellt.

Diese Seite wurde erstellt unter wesentlicher Mitarbeit von:
Oberarzt R. Wolf
Chirurgische Abteilung
Kreiskrankenhaus Gruenstadt
67269 GRÜNSTADT
Wir implantieren Hüftendoprothesen der Firma DePuy.
Hier erhalten Sie weitere Informationen:



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