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MINIMALINVASIVE CHIRURGIE
Dies ist ein Gerät, mit dem ursprünglich die Blasenspiegelung durchgeführt wurde. Kelling insufflierte normale, durch sterile Watte gefilterte Raumluft in die Bauchhöhle eines Hundes, steckte dann das Cystoskop in den Bauch hinein und konnte so von außen die inneren Organe des Bauchraumes betrachten. Diese Methode hat sich im Prinzip bis heute erhalten. Die erste Bauchspiegelung beim Menschen wurde 1910 von Jacobaeus durchgeführt. 1933 füllte Vewers erstmals Kohlendioxyd anstelle von Raumluft in die Bauchhöhle ein. Dies hat den Vorteil, daß im Bauch verbleibende Gasreste schmerzlos vom Körper resorbiert werden und daß man problemlos mit Elektroinstrumenten arbeiten kann.
Eine wesentliche Weiterentwicklung wurde 1938 von dem Ungarn Veress beschrieben. Er verwendete für eine sichere Anlage des Pneumoperitoneums eine spezielle Nadel, die auch heute noch mit geringfügigen Modifkationen routinemäßig gebraucht wird. Diese Nadel verfügt über einen an der Spitze abgerundeten, zentral liegenden Stift der durch eine Feder vorgeschoben wird sobald das Bauchfell durchstoßen ist, und der so die Verletzung innerer Organe vermeidet. Die Gaseinleitung erfolgt über eine seitliche Öffnung am vorgeschobenen Zentralstift. Bis vor nicht allzu langer Zeit war die Laparoskopie sowohl in Europa als auch in Amerika überwiegend eine Domäne der Frauenärzte. Prof. Semm in Kiel entwickelte die Technik mit mehreren Einstichen, wodurch komplexere, chirurgische Eingriffe möglich wurden, so daß er 1983 zum erstenmal eine Blinddarm-Entfernung laparoskopisch durchführen konnte. Einen großen Fortschritt brachte die Video-Laparoskopie, das heißt, daß auf das Laparoskop eine Farbvideokamera aufgesetzt wird. So sieht nicht nur der Operateur das Bauchinnere, sondern alle an der Operation Beteiligten können aktiv mitarbei-ten. In der Allgemein-Chirurgie setzte sich die Laparoskopie jedoch nur sehr zögerlich durch. Erst 1988 wurde erstmals in Frankreich eine Gallenblase laparoskopisch entfernt. In Grünstadt haben wir bereits 1990 selbst mit laparoskopischen Operationen begonnen. Nachteile der offenen Chirurgie: Ein Grunderfordernis der konventionellen , offenen Chirurgie ist, daß der Chirurg den Zugang zum krankhaft veränderten Organ freilegt: Um zum Operationssitus zu gelangen und dort den Eingriff auszuführen, muß die entsprechende Körperhöhle (Thorax, Bauchhöhle, Becken ) weit eröffnet werden. Die für sicheres und fachgerechtes Operieren notwendige Darstellung wird durch den Einsatz von Metallhaken ermöglicht, welche von Assistenten oder mechanischen Haltevorrichtungen gehalten werden. Nach Vollendung des Eingriffs muß die Körperhöhle wieder verschlossen werden. Dieses herkömmliche, offene Vorgehen ist auf Grund seiner langen Tradition in der Chirurgie zwar unangefochten, weist jedoch gewisse, spezifische Nachteile auf, die den unmittelbaren, postoperativen Verlauf wesentlich beeinflussen und die Gene-sung des Patienten von den Operationsfolgen hinauszögern: 1. Postoperative Schmerzen sind hauptsächlich auf die Durchtrennung der Bauch-decken zurückzuführen. Der postoperative Schmerz beeinträchtigt die Aktivität, Be-weglichkeit und Atmung des Patienten und trägt so zu den bekannten , postopera-tiven Komplikationen in der Chirurgie wie Lungenentzündung, Infektion, Venen-thrombose , Embolie bei. 2. Die Freilegung der Körperhöhlen führt zu einer Abkühlung des Patienten und zu vermehrtem Flüssigkeitsverlust durch Verdunstung. 3. Häufig müssen die Wunden mit großem Kraftaufwand aufgehalten werden, so daß es dadurch zu Verletzungen innerer Organe wie zum Beispiel Milz und Leber kommen kann. 4. Bei offenen Baucheingriffen müssen oft Manipulationen am Darm durchgeführt werden. Daraus resultiert eine vorübergehende Darmlähmung und in Einzelfällen sogar ein regelrechter Darmverschluß. 5. In Folge der Verletzung der feinen Darmhäute kann es leicht zu Verwachsungen kommen. Manche Patienten neigen von ihrer Veranlagung her besonders stark zur Ausbildung solcher Verwachsungen, die auf Dauer Nachoperationen erforderlich machen können. 6, Schließlich gehen von den
Bauchschnitten noch weitere Gefahren aus: Entzündungen ( Infektionen),
Platzbauch ( Nahtdehiszenz) sowie Narbenbruch.
Diagnostische Laparoskopie: Wenden wir
uns also jetzt der praktischen Durchführung einer Bauchspiegelung
zu. Bei vielen unklaren Schmerzzuständen im Bauch ist es mit allen
zur Verfügung stehenden diagnostischen Maßnahmen nicht möglich,
eine eindeutige Ursache für die geäußerten Beschwerden
zu finden. Bei diesen Fällen führen wir eine sog. diagnostische
Laparoskopie durch; das heißt, daß wir mit Hilfe des Laparoskopes
in den Bauchraum hineinblicken um so die Ursache für die Beschwerden
festzustellen. Dazu punktieren wir das Abdomen mit der bereits erwähnten
Verres-Kanüle. Als Punktionsort nehmen wir normalerweise die Nabelgrube,
weil hier der Abstand zwischen Haut und Bauchhöhle am dünnsten
ist. Hinzukommt, daß die in der Nabelgrube angelegte und wieder
vernähte Wunde optisch später nicht auffällt. Bei der Punktion
beachten wir einige Sicherheitstests, um nicht aus versehen Blutgefäße
oder Organe zu verletzten (Beispiele). Wenn mit der Veress-Kanüle
die Bauchhöhle korrekt punktiert wurde, wird ein steriler Schlauch
zwischen Kanüle und Gasinsufflationsgerät angeschlossen. Danach
beginnt das druckgesteuerte Einblasen von CO 2-Gas in die Bauchhöhle.
Während des Gaseinblasens wird immer wieder automatisch der in der
Bauchhöhle bestehende Druck gemessen. Die Obergrenze für diesen
Druck geben wir mit 15 bis 20 mm Quecksilbersäule vor. Für die
Füllung der Bauchhöhle werden je nach Körpergröße
des Patienten zwischen 3,5 bis 7 l Gas erforderlich. Ist die Bauchhöhle
prall mit CO 2-Gas gefüllt, so entfernen wir die Verres-Kanüle
und erweitern die Nabelwunde geringfügig um dann mit einem 10mm dicken
Sicherheitstrokar einzustechen. Hierbei handelt es sich um einen 10 mm
dicken Spieß, welcher in einer entsprechenden Hülse eingeschoben
ist. Die Hülse ist nach Entfernung des Spießes mit einem Ventil
gasdicht zu verschließen. Dieses System wird durch den Nabel eingestochen
, dann wird der Trokar entfernt und die mit einem Ventil verschlossene
Hülse bleibt als " Schleuse " in der Bauchdecke liegen. Durch diese
Hülse kann dann anschließend ohne Gasverlust das 10mm starke
Laparoskop eingeführt werden. Wir führen das Laparoskop immer
unter Kamerasicht in die Bauchhöhle ein, so daß wir sofort die
richtige Plazierung erkennen. Danach wird erneut der CO 2-Gas-schlauch
an die Trokarhülse angeschlossen, so daß ab jetzt automatisch
das unter Umständen entweichende Gas druckgesteuert nachgefüllt
wird. Bei der diagnostischen Laparoskopie machen wir dann anschließend
einen "Spaziergang durch die gesamte Bauchhöhle " . Um die Oberbauchorgange
( Leber, Magen, Milz ) beurteilen zu können, wird der Patient auf
dem Operationstisch in eine Schräglage mit angehobenem Kopf gebracht.
Dadurch rutschen die Därme nach unten und geben den Blick auf die
Oberbauchorgane frei. Umgekehrt ist es , wenn wir die Unterbauchorgane
, wie zum Beispiel den Blinddarm, die Gebärmutter und die Eierstöcke
inspizieren wollen. Hier wählen wir die Schräglage so, dass
der Kopf gesenkt und die Füße angehoben werden. Auf diese Art
und Weise können wir den gesamten Bauchinnenraum beurteilen. Von verdächtigen
Organen können kleine Portionen als sog. Biopsie mit einer entsprechenden
Zange abgezwickt und entfernt werden. Diese Gewebsproben werden dann anschließend
feingeweblich untersucht, um zum Beispiel eine Erkrankung der Leber oder
einen bösartigen Tumor zu bestätigen. Finden wir nach der ausgiebigen
Besichtigung und eventuellen Probe-Biopsie keinen weiteren operationswürdigen
Befund, so beenden wir den Eingriff als diagnostische Laparoskopie, das
heißt, wir entfernen den oder die Trokare jeweils unter Kamerasicht,
damit sich keine Baucheingeweide in die kleinen Einschnitte einklemmen
und verschließen dann die Wunden mit Nähten. Laparoskopische Adhaesiolyse: Viele Menschen
plagen sich mit unklaren Bauchbeschwerden nach vorangegangenen Operationen.
Dies ist häufig zurückzuführen auf Verwachsungen im Abdominalraum.
Wenn man diese Verwachsungen durchtrennt, verschwinden auch die Beschwerden.
Diese sog. " Adhaesiolyse " kann laparoskopisch durchgeführt werden.
Wir haben uns als Chirurgen früher gescheut, den Bauch zu eröffnen
um diese Verwachsungen zu durchtrennen weil wir wußten, dass
danach wieder neue Verwachsungen entstehen. Wird diese Adhaesiolyse aber
laparoskopisch durchgeführt, so entstehen neue Verwachsungen nur sehr
viel seltener. Bei den Verwachsungen handelt es sich um Gewebsstränge
zwischen Darmschlingen und der Bauchwand. Diese können mit der Schere
durchtrennt werden. Dazu ist es erforderlich, dass man wie beschrieben,
einen Trokar in den Nabel einbringt und meist noch einen zweiten, 5mm
starken Trokar in den Bauch einbringt, um dadurch verschiedene Instrumente
wie zum Beispiel eine Schere zu benutzen. Die laparoskopische Adhaesiolyse ist
eine elegante Methode, um Patienten von ihren Verwachsungsbeschwerden zu
befreien. Wir haben hier in Grünstadt inzwischen 263 laparoskopische
Adhaesiolysen erfolgreich durchgeführt. Laparoskopische Appendektomie: Die Blinddarm - Operation
ist bei weitem nicht der älteste chirurgische Baucheingriff. Erst
im Neunzehnten Jahrhundert wurde erkannt, dass die Blinddarm-Entzündung
für die tödliche Phlegmone des re. Unterbauches verantwortlich
ist( wer den Medicus gelesen hat, kennt die Seitenkrankheit ) . Die Entfernung
des entzündeten Wurmfortsatzes ist zur Behandlung dieser Erkrankung
unumgänglich. Die Entwicklung einer einfachen und sicheren Operationstechnik
durch amerikanische Chirurgen gegen Ende des vorigen Jahrhunderts hat
die Sterblichkeit dieser häufigen Erkrankung deutlich gesenkt. Aber
auch heute noch sterben jährlich Patienten an einer Blinddarm-Entzündung.
Die Sterblichkeit liegt zwischen 1 bis 5% je nach Gesichtspunkt. Die Blinddarm-Operation
ist zwar als einer der größten Erfolge der Chirurgie anzusehen,
es sind jedoch bei weitem noch nicht alle damit zusammenhängenden
Schwierigkeiten gelöst. Die sichere Diagnose-Stellung ist manchmal
schwierig, da andere Erkrankungen im re. Unterbauch ähnliche Beschwerden
bereiten. Lageanormalien des Blinddarms besonders während der Schwangerschaft
können zu Fehldiagnosen führen. Zusätzlich treten nach der
Operation immer wieder Komplikationen auf: von schlechter Wundheilung über
Vereiterungen bis zu Darmverschlüssen. Laparoskopische Cholecystektomie: Bei
vielen Menschen entstehen in der Gallenblase Cholesterin-Gallensteine ohne
dass wir die eigentliche Entstehungsursache dafür kennen. Gallensteine
können jahrelang vorhanden sein, ohne das sie sich bemerkbar machen.
Die Steine können aber auch zu Entzündungen der Gallenblase mit
heftigsten, kolikartigen Schmerzen führen. Wenn dies der Fall ist,
sprechen wir von einem symptomatischen Gallensteinleiden und dann ist der
Zeitpunkt zur Operation gekommen. Die beste Behandlung besteht in der operativen
Entfernung der Gallensteine und der Gallenblase. Entfernt man nur die Gallensteine,
so können in der belassenen Gallenblase neue Steine entstehen und
das Leiden beginnt von vorne. Die erste operative Gallenblasen-Entfernung
wurde vor gut 100 Jahren ( 15. Juli 1882 in Berlin von Langenbuch ) durchgeführt.
Diese Operation wurde in all den Jahren so standardisiert, dass die
postoperative Sterblichkeit heute sehr gering ist und bei 0,1 bis 0,5 %
liegt. Dennoch gibt es aber nach der Gallenblasen-Operation immer wieder
Komplikationen, wobei die Mehrzahl auf den Bauchschnitt zurückzuführen
ist. Ein Operationsverfahren, dass den Bauchschnitt überflüssig
macht, müßte folglich auch bessere Resultate zur Folge haben.
1987 wurde in Lyon in Frankreich die erste laparoskopische Gallenblasenentfernung
durchgeführt. Diese Operationsmethode verbreitete sich in den letzten
Jahren mit rasantem Tempo und gilt heute bereits als Standardeingriff.
Seit März 1991 haben wir in der Chirurgischen Abteilung des Kreiskrankenhauses
Grünstadt mehr als 1071 Gallenblasenoperationen laparoskopisch durchgeführt. Wie bei jeder Operation,
so kann es auch bei der laparoskopischen Gallenblasenoperation selbst
bei sorgfältigster Durchführung zu Komplikationen kommen (
Infektionen,
Nachblutungen, Gallenfistel ). Bei großen Statistiken schwankt die
Gesamt- Komplikationsrate um die 2,6 %. Die Sterblichkeitsrate nach laparoskopischer
Gallenblasen-Entfernung schwankt zwischen 0,1 und 0,9 %. In der Dauer der
Operation gibt es keinen Unterschied mehr zwischen einer offenen und einer
laparoskopisch durchgeführten Gallenblasenentfernung. Die eigentlichen
Vorteile der Operationsmethode bemerkt der Patient aber erst postoperativ.
In der Regel braucht der Patient nach der Operation weder eine Magensonde
noch eine Wunddrainage. Der Patient steht bereits am Operationsabend aus
dem Bett auf und kann zügig mobilisiert werden. Die Schmerzempfindung
nach der laparoskopischen Operation ist deutlich geringer, was wir anhand
des Schmerzmittelverbrauchs nachweisen können. Bereits am Morgen nach
der Operation kann die Ernährung wieder zügig aufgebaut werden,
weil auch die Darmfunktion sehr viel schneller und sicherer wieder in Gang
kommt. Die Verweildauer im Krankenhaus ist geringer und wird sich in Zukunft
noch weiter verkürzen. Diese Vorteile haben die laparoskopischen Gallenblasen-Operation
binnen weniger Jahre zu einer Routine-Operation werden lassen. Laparoskopische Hernioplastik:
Seit etwa 100 Jahren werden in Deutschland Leistenbrüche routinemäßig
operativ behandelt. Dazu muss die Leistenregion mit einem Schnitt
eröffnet werden um nach Durchtrennung der verschiedenen Schichten
der Bauchdecke schließlich an den Bruchsack selbst zu gelangen. Dieser
wird abgetragen und die Bruchpforte wird mit Nähten eingeengt bzw.
verschlossen. Danach werden die verschiedenen Schichten der Bauchdecke
wieder vernäht. Das heißt, es ist ein großer Eingriff
erforderlich, um die Schwachstelle in der Bauchdecke zu verschließen,
wobei es trotz sorgfältigster Operationstechnik in bis zu 5% zu einem
erneuten Auftreten eines Leistenbruches kommt. ( Rezidiv-Hernie). Mit zunehmender
Erfahrung in der laparoskopischen Technik sind wir jetzt in der Lage, den
Leistenbruch sozusagen von innen her zu reparieren. Dazu wird wie üblich
das Laparoskop über die kleine Nabelwunde eingeführt. Zusätzlich
werden li. und re. in Nabelhöhe 2 Arbeitstrokare eingebracht. Wir
präparieren dann sorgfältig in der betroffenen Leistenregion
den Leistenbruch frei und holen die Bruchsackausstülpung nach innen
in den Bauchraum zurück. Die Buchpforte, das heißt also die
Schwachstelle, in der Leiste wird dann mit einem etwa 12 x 8 cm großen
Kunststoffnetz verstärkt, welches problemlos und vom Patienten unbemerkt
in der Bauchdecke einheilt. Dieses Netz wird zwischen Bauchfell und Bauchwand
ausgebreitet und verhindert so das erneute Auftreten eines Leistenbruchs. Dr. med. G. Herrmann
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